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07. September 2004

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Botschafterkonferenz

Der vierte Aga Khan - Allahs sanfter Revolutionär

06. September 2004 Der Aga Khan, der sich aus Anlaß der Botschafter-Konferenz in Berlin aufhält, ist das Oberhaupt einer muslimischen Minderheit, die aus dem Schiitentum hervorgegangen ist: der Ismailiten. Diese Siebener-Schiiten hatten sich im frühen Islam vom schiitischen Hauptstrom, das heißt dem später Zwölfer-Schiismus genannten Zweig, abgespalten, weil sie in der Frage nach ihrem Oberhaupt (Imam) anders dachten als die übrigen Schiiten. Sie verehren einen Nachkommen des Propheten-Vetters Ali Ibn Abi Talib, Ismail mit Namen, den Sohn des sechsten Imams Dschaafar al Sadiq, als ihren weltlichen wie geistlichen Führer. Er ist der siebte in der Reihe ihrer Imame, woraus sich der Name "Siebener" erklärt.

Nachdem es den Ismailiten vor rund tausend Jahren gelungen war, mächtig und einflußreich zu werden - am meisten unter der Fatimiden-Dynastie, die zweihundert Jahre von Ägypten aus über große Teile Nordafrikas und Vorderasiens herrschte -, wurden sie nach deren Ende und nach der durch die Mongolen herbeigeführten Zerschlagung der Gemeinschaft der Assassinen in Nordiran zu einer wenig bekannten, friedlich gesinnten Minderheit mit Hauptsitz in Iran.

"Allahs sanfter Revolutionär"

Der Schah verlieh ihrem Oberhaupt auch den Titel Aga Khan. Von Iran aus verlegten sie den Schwerpunkt ihrer Gemeinde auf den indischen Subkontinent. Die Anhänger des gegenwärtigen, des vierten Aga Khan, etwa zwanzig Millionen, leben heute in vielen Ländern, auch westlichen, doch bilden Pakistan, Indien und Ostafrika den Schwerpunkt der ismailitischen Gemeinschaft. Karim Aga Khan, Jahrgang 1937, der vor der Übernahme seines Amtes vor allem als Sportler hervortrat, versteht sich heute als "Allahs sanfter Revolutionär". Er und seine Gemeinde lehnen jeglichen Fundamentalismus, wie er gegenwärtig die islamische Welt erfaßt hat, ab und setzen auf wirtschaftliche, industrielle und kulturelle Entwicklungsprojekte in der islamischen Welt.

Der Aga Khan, der britischer Staatsbürger ist und - wie auch sein Bruder - eine sowohl islamische als auch westliche Erziehung an besten Schulen genossen hat, sowie seine aus Deutschland stammende Ehefrau, die Begum, leben in der Nähe von Paris. Ihre Stiftung fördert Vorhaben in insgesamt 25 Ländern der Erde. Ihre sozialen Projekte, etwa Krankenhäuser in Pakistan, gelten als vorbildlich. Medizinische Versorgung und Ausbildung sind Schwerpunkte vieler Projekte. Gegenwärtig liegt ein Schwerpunkt der Förderung im kriegszerstörten Afghanistan, das stabilisiert werden muß, aber auch in Mittelasien, in jenem Gebiet, das früher als das Zentrum der Seidenstraße in Asien bezeichnet worden ist.

Text: wgl., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2004, Nr. 208 / Seite 6